Wirtschaftsprüfung kostet Jahr um Jahr Milliardenbeträge allein in Deutschland. Sie ist ein riesiges Bürokratiemonster. Doch im Fall von Wirecard hat die Prüfung versagt. Vieles spricht dafür, dass die herkömmliche Wirtschaftsprüfung völlig überholt ist. Quelle: WELT.de

Riesiger Aufwand – bescheidener Ertrag. So lässt sich der aktuelle Zustand der Wirtschaftsprüfung charakterisieren. Prüfung und Testate verursachen deutschen Firmen Kosten in Milliardenhöhe. Nicht nur der Wirecard-Skandal macht jedoch deutlich, dass Jahresabschlussberichte und Gütesiegel oft nicht einmal das Papier wert sind, auf das sie gedruckt werden. Beim Versagen geht es nicht nur um Betrug, sondern mehr noch ums Prinzip.

Geprüft wird, was war. Nützlich aber wäre zu erkennen, was wird. In früheren Zeiten mag der Blick zurück für die Weiterfahrt hilfreich gewesen sein. Wenn aber Zukunft so sehr anders wird als Vergangenheit – so, wie es heutzutage der Fall ist –, kann mit einem Rückspiegel niemand wirklich feststellen, wie liquide, solvent und damit wie überlebensfähig Firmen tatsächlich sein werden – auch nicht die Wirtschaftsprüfung.

Wirtschaftsprüfung ist ein Kind des Industriezeitalters

Wirtschaftsprüfung hat sich im Laufe der Zeit zu einem gigantischen Bürokratiemonster aufgeplustert. Rund acht Milliarden Euro erreichte allein der Umsatz der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PwC (PricewaterhouseCoopers), EY (Ernst & Young), KPMG und Deloitte im Geschäftsjahr 2018/2019 in Deutschland. Die nächsten sechs der Top Ten bringen es insgesamt auch noch einmal auf etwas mehr als eine Milliarde Euro Umsatz.

Dass neben den Umsätzen aus der Wirtschaftsprüfung auch Beratungsleistungen zum Geschäftsmodell der Kontrolleure gehören, mag gut für deren Erträge und Gewinne sein. Es ist aber schlecht für Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Prüfenden.

Ein an sich bestehendes Verbot, eine Firma gleichzeitig zu prüfen und zu beraten, ist in der alltäglichen Praxis schwer durchzusetzen. Offenbar lässt es sich (zu) leicht aushebeln.

Der Wirecard-Skandal zerstört Vertrauen – die Leitwährung der Kapitalmärkte. Und er provoziert bei Großinvestoren, Kleinanlegern, Kreditinstituten, Aufsichtsgremien und Behörden Unsicherheit. Was soll der ganze Aufwand, wenn auf die herkömmlichen Prinzipien der Bilanzprüfung kein Verlass mehr ist.

Finanzaufsicht und Wirtschaftsprüfer haben versagt

Über Jahre haben weder die zuständigen Wirtschaftsprüfer noch deren Kontrolleure – also die staatliche Finanzaufsicht BaFin – bemerkenswerte Auffälligkeiten oder Unstimmigkeiten bei Wirecard festgestellt.

Sicher sind für das Versagen der Prüfverfahren im speziellen Falle von Wirecard kriminelle Machenschaften, Schummeleien und Tricksereien verantwortlich. Ebenso dürfte eine Rolle gespielt haben, dass das Geschäftsmodell von Wirecard innovativ und komplex war.

Notgedrungen fehlten Prüfung und Aufsicht bei so neuen Transaktionen Erfahrung und Vergleich. Fehlendes Insiderwissen der Prüfer dürfte jedoch in Zeiten dynamischer Veränderungen nicht Ausnahme sein, sondern zur Regel werden.

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